Karim Ziad
Orient und Okzident

Karim Ziad, den seine Freunde liebevoll den „Kleinen Prinzen” nennen, spielt – neben diversen Perkussionsinstrumenten – Schlagzeug, Gitarre, die marokkanische Basslaute Gumbri und singt. Mit seiner Musik will Ziad die Menschen einander näher bringen. Vor allem die des Orients und die des Okzidents.

Groß geworden im Schmelztiegel von Algier erlebte der 1966 geborene Karim Ziad die Spannungsgrade eines kulturellen Wandels. Auf der einen Seite die verborgene Rebellion vieler Jugendlicher, die sich mehr für Popmusik interessierten als für arabische und afrikanische Musik; auf der anderen Seite die vermischte traditionelle Vielfalt aus algerischer Volksmusik (Chââbi), Beduinengesängen, Gnawa-Traditionen, ägyptischer Filmmusik und französischen Chansons und auch die rasante Popularität und Dynamik des Raï. In diesem komplexen Umfeld schuf sich der junge Musiker ein breites Betätigungsfeld. Frühzeitig spielte Karim Ziad in verschiedenen Gruppen, unter anderem auf Hochzeiten, was zugleich eine gegenüber vielen Musiktraditionen und Stilen aufgeschlossene Haltung förderte. Mit 20 ging es für Ziad dann nach Paris. Dort fand der 22-Jährige schnell Anschluss an die vielfältige, multikulturell geprägte Musikszene der französischen Metropole.

Für ihn war es ein purer Glücksfall, denn wegen der politischen Entwicklungen in Algerien hatte er längst beschlossen, erst einmal nicht mehr in die Heimat zurückzukehren. Warum sollte er auch, in Paris lockten die Jam-Sessions mit Maghreb-Musikern, der Enthusiasmus des Orchestre National de Barbès oder auch ein lukratives Angebot des bekannten Raï-Interpreten Cheb Mami. Einer von vielen glücklichen Zufällen in seinem Leben war, dass er bei Plattenaufnahmen des algerischen Komponisten Safy Boutelle den Gitarristen Nguyên Lê kennen lernte. Mit ihm hatte er einen musikalischen Bruder gefunden: „Von Nguyên habe ich viel über den Umgang mit Sound gelernt. Allerdings nähere ich mich der Musik anders an als er. Er ist sehr intellektuell. Ich hingegen vertraue allein meinem Herzen und meinen Ohren. Meine Musik ist wesentlich traditioneller als die von Nguyên.” Die Beiden schmiedeten Pläne zu einem gemeinsamen CD-Projekt, das 1997/1998 in Co-Produktion mit dem WDR unter dem Titel Maghreb & Friends erschien. Karim war maßgeblich bei der Entstehung des Albums: “Es ist eigentlich meine erste Platte”, bilanziert Karim Ziad zurückblickend das Projekt. Aber auch Nguyên Lê ist voll des Lobes über den Multiinstrumentalisten, denn sein musikalischer Partner hatte ihn mit den Rhythmen der Musik Nordafrikas bekannt gemacht und mit jungen Pariser Musikern aus dem Maghreb zusammen gebracht. Nguyên Lê über Ziad: „Karim erhält wachsenden Zuspruch für sein Können im französischen Jazz-Milieu. Er ist ein †ºcomplete musican†¹, ein talentierter Komponist, umsichtig als Co-Produzent und ein höchst origineller Drummer, der nicht nur über das Tempo wacht und akrobatisch trommelt, sondern auch die Melodie stets mit begleitet. Karim ist außerdem auch ein expressiver Sänger und spielt zudem perfekt das Berberinstrument Gumbri, das man den †ºBass der Wüste†¹ nennt.”

Gegenüber modischen Trends wie dem Algerischen Rap (GNAWA DIFFUSION) – bei vielen Jugendlichen marokkanischer und algerischer Herkunft ein bevorzugter Sound – ist Karim an anderen rhythmischen Spannungen, vor allem aber der Gnawa-Tradition, interessiert. Seine Musik und die Bearbeitung traditioneller Themen auf DAWI wie auch schon auf seinen letzten beiden Solo-Alben Ifrikya und Chabiba lassen von Nordafrika träumen und vermitteln den Wunsch zur Bewegung und zum Tanz.

Genauso vielfältig wie seine Spielorte ist Ziads Wirken in den Ensembles, nicht zu vergessen seine Band Ifrikya mit Musikern aus unterschiedlichen Bereichen (unter anderem mit dem berühmten Gnawa-Interpreten Abdelkbiri Merchane), das Trio Louis Winsberg, Cheb Mami, das Trio Bosilo mit Bojan Z und Julien Lourau und natürlich seinem neuem Label-Boss Joe Zawinul. Der wohl international berühmteste deutschsprachige Jazzmusiker mit der Vorliebe für den multikulturellen Musikeraustausch hatte Karim Ziad Ende der 90er Jahre in Paris entdeckt und ihn sogleich zur Mitarbeit in seiner Band, dem Zawinul Syndicate, eingeladen. Zwischenzeitlich in anderen Gefilden unterwegs, kehrte Karim Ziad ins Joes Band zurück. Anlass zu Feiern gab es genug bei den Club-Eröffnungskonzerten im Oktober 2004 im neuen Domizil des Band-Leaders, dem Birdland in Wien. Dort war er im Team der Perkussionisten Aziz Sahmaoui und Arto Tuncboyaciyan der rhythmische Leader und führte unter anderem in seinen eigenen Kompositionen (Chabiba und Louange) das brodelnde Perkussion-Ensemble.

Diskographie:
Dawi, 2007
Chabiba, 2004
Ifrikya, 2001

Besetzung von IFRIKYA
KARIM ZIAD : lead vocals, drums, gumbri, band leader
MICHEL ALIBO : bass
DAVID AUBAILE : piano, keys, flutes
AZIZ SEHMAOUI : lead vocals, percs
VINCENT MASCART : saxes
MOHAMMED MENNI : vocals, percs
RANI KRIJA:percs, vocals

BACK | 2008
Orient und Okzident

Karim Ziad, den seine Freunde liebevoll den „Kleinen Prinzen” nennen, spielt – neben diversen Perkussionsinstrumenten – Schlagzeug, Gitarre, die marokkanische Basslaute Gumbri und singt. Mit seiner Musik will Ziad die Menschen einander näher bringen. Vor allem die des Orients und die des Okzidents.

Groß geworden im Schmelztiegel von Algier erlebte der 1966 geborene Karim Ziad die Spannungsgrade eines kulturellen Wandels. Auf der einen Seite die verborgene Rebellion vieler Jugendlicher, die sich mehr für Popmusik interessierten als für arabische und afrikanische Musik; auf der anderen Seite die vermischte traditionelle Vielfalt aus algerischer Volksmusik (Chââbi), Beduinengesängen, Gnawa-Traditionen, ägyptischer Filmmusik und französischen Chansons und auch die rasante Popularität und Dynamik des Raï. In diesem komplexen Umfeld schuf sich der junge Musiker ein breites Betätigungsfeld. Frühzeitig spielte Karim Ziad in verschiedenen Gruppen, unter anderem auf Hochzeiten, was zugleich eine gegenüber vielen Musiktraditionen und Stilen aufgeschlossene Haltung förderte. Mit 20 ging es für Ziad dann nach Paris. Dort fand der 22-Jährige schnell Anschluss an die vielfältige, multikulturell geprägte Musikszene der französischen Metropole.

Für ihn war es ein purer Glücksfall, denn wegen der politischen Entwicklungen in Algerien hatte er längst beschlossen, erst einmal nicht mehr in die Heimat zurückzukehren. Warum sollte er auch, in Paris lockten die Jam-Sessions mit Maghreb-Musikern, der Enthusiasmus des Orchestre National de Barbès oder auch ein lukratives Angebot des bekannten Raï-Interpreten Cheb Mami. Einer von vielen glücklichen Zufällen in seinem Leben war, dass er bei Plattenaufnahmen des algerischen Komponisten Safy Boutelle den Gitarristen Nguyên Lê kennen lernte. Mit ihm hatte er einen musikalischen Bruder gefunden: „Von Nguyên habe ich viel über den Umgang mit Sound gelernt. Allerdings nähere ich mich der Musik anders an als er. Er ist sehr intellektuell. Ich hingegen vertraue allein meinem Herzen und meinen Ohren. Meine Musik ist wesentlich traditioneller als die von Nguyên.” Die Beiden schmiedeten Pläne zu einem gemeinsamen CD-Projekt, das 1997/1998 in Co-Produktion mit dem WDR unter dem Titel Maghreb & Friends erschien. Karim war maßgeblich bei der Entstehung des Albums: “Es ist eigentlich meine erste Platte”, bilanziert Karim Ziad zurückblickend das Projekt. Aber auch Nguyên Lê ist voll des Lobes über den Multiinstrumentalisten, denn sein musikalischer Partner hatte ihn mit den Rhythmen der Musik Nordafrikas bekannt gemacht und mit jungen Pariser Musikern aus dem Maghreb zusammen gebracht. Nguyên Lê über Ziad: „Karim erhält wachsenden Zuspruch für sein Können im französischen Jazz-Milieu. Er ist ein †ºcomplete musican†¹, ein talentierter Komponist, umsichtig als Co-Produzent und ein höchst origineller Drummer, der nicht nur über das Tempo wacht und akrobatisch trommelt, sondern auch die Melodie stets mit begleitet. Karim ist außerdem auch ein expressiver Sänger und spielt zudem perfekt das Berberinstrument Gumbri, das man den †ºBass der Wüste†¹ nennt.”

Gegenüber modischen Trends wie dem Algerischen Rap (GNAWA DIFFUSION) – bei vielen Jugendlichen marokkanischer und algerischer Herkunft ein bevorzugter Sound – ist Karim an anderen rhythmischen Spannungen, vor allem aber der Gnawa-Tradition, interessiert. Seine Musik und die Bearbeitung traditioneller Themen auf DAWI wie auch schon auf seinen letzten beiden Solo-Alben Ifrikya und Chabiba lassen von Nordafrika träumen und vermitteln den Wunsch zur Bewegung und zum Tanz.

Genauso vielfältig wie seine Spielorte ist Ziads Wirken in den Ensembles, nicht zu vergessen seine Band Ifrikya mit Musikern aus unterschiedlichen Bereichen (unter anderem mit dem berühmten Gnawa-Interpreten Abdelkbiri Merchane), das Trio Louis Winsberg, Cheb Mami, das Trio Bosilo mit Bojan Z und Julien Lourau und natürlich seinem neuem Label-Boss Joe Zawinul. Der wohl international berühmteste deutschsprachige Jazzmusiker mit der Vorliebe für den multikulturellen Musikeraustausch hatte Karim Ziad Ende der 90er Jahre in Paris entdeckt und ihn sogleich zur Mitarbeit in seiner Band, dem Zawinul Syndicate, eingeladen. Zwischenzeitlich in anderen Gefilden unterwegs, kehrte Karim Ziad ins Joes Band zurück. Anlass zu Feiern gab es genug bei den Club-Eröffnungskonzerten im Oktober 2004 im neuen Domizil des Band-Leaders, dem Birdland in Wien. Dort war er im Team der Perkussionisten Aziz Sahmaoui und Arto Tuncboyaciyan der rhythmische Leader und führte unter anderem in seinen eigenen Kompositionen (Chabiba und Louange) das brodelnde Perkussion-Ensemble.

Diskographie:
Dawi, 2007
Chabiba, 2004
Ifrikya, 2001

Besetzung von IFRIKYA
KARIM ZIAD : lead vocals, drums, gumbri, band leader
MICHEL ALIBO : bass
DAVID AUBAILE : piano, keys, flutes
AZIZ SEHMAOUI : lead vocals, percs
VINCENT MASCART : saxes
MOHAMMED MENNI : vocals, percs
RANI KRIJA:percs, vocals

Text date: 2008-03-25  
Text: © Intuition Records  
Ident-Code: 382/2228/1


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