La Minor
Underground-Chanson mit menschlichem Antlitz

Es gibt so etwas wie den La-Minor-Sound. Warm und authentisch. Live-Akustik-Instrumente. Keine Overdubs oder Mini-Disc-Geflunker. Diese Gruppe erkennt man sofort, und sie schaffen eine eigene Atmosphäre. Sie sind echt. Und sie haben Charme. 2000 in St. Petersburg gegründet, waren La Minor seitdem schon oft auch in Europa auf Tour und haben in vielen kleinen Clubs und Spelunken, aber auch schon in größeren Hallen und auf Festivals gespielt und sich dabei eine treue Fangemeinde erspielt.

Die Musik von La Minor lädt zum Gläschen Wein zuhause genauso wie zum Tanzen ein. Das Bajan (russisches Knopf-Akkordeon) treibt an, das Saxophon umschmeichelt und Sänger Slawa Schalygin erzählt seine lyrischen Gangstergeschichten. Hinterhoflieder über böse Jungs, Liebe, Leidenschaft, Alkohol und Gefängnis.

La Minor kommen aus St. Petersburg, haben aber eine Schwäche für Odessa. Die Gassen und Bars der beiden Städte ähneln sich ja auch ein wenig in ihrem europäischen Charme. La Minor spielen so genannten Straßen-Chanson, russischen Folk, Jazz und Klezmer (Odessa-Style). Sie erwecken einen Teil der Atmosphäre des Odessas der 20er bis 40 Jahre zu neuem Leben. Ihre Lieder sind wie klingende Kriminalromane über kleine Ganoven und tragische Liebe. Fröhlich und gleichzeitig melancholisch. Diebe und Polizisten, Nutten und Undercover-Agenten bevölkern die urbane Unterwelt der La-Minor-Songs. Das zärtlich-liebevoll Mütterliche der russischen Sprache macht die derben Geschichten anrührend. Zeitlos.

laminor2.jpgIn einem Land, wo jeder fünfte Mann schon mal im Gefängnis saß, sind Knast- und Lagerlieder Volkskultur. In Belaja Akatsia wartet eine Mutter auf ihren Sohn, der im Gefängnislager ist. Der Klassiker Murka handelt von einer Ganovenbande aus Odessa, deren schöne, stolze Gang-Prinzessin Murka die Jungs für Pelz und Brillianten verpfeift und dafür mit dem Leben bezahlt. Ein großes Thema für La Minor sind unglückliche und leidenschaftliche Liebe sowie natürlich Eifersucht. Das Mädchen im Baumwollkleid (Devushka v platie iz sitsa) hüpfte ja schon auf Wladimir Kaminers erster Russendisko-CD. In dem Hit – hier auf Oboroty noch einmal in einer schicken neuen Version – hätte die Mama der Liebsten gern einen anständigen Schwiegersohn und keinen Trommler in einer Jazzband.

Oboroty kann im Russischen viele Bedeutungen haben: der Sänger und Texter La Minors Slawa Schalygin meint hier die Umdrehungen (Prozente) von Alkohol, die Geschwindigkeit von Schallplatten (33/45/78) und das Drehen des Rades des Lebens, das sich unaufhörlich dreht.

La MinorVorbild von Slawa ist der sowjetische Underground-Sänger Arkadi Severny. Dessen meist nicht ganz zutreffend als russischer Chanson bezeichneter Stil kommt aus der sowjetischen Subkultur der 70er Jahre und war erst nach der Implosion der Sowjetunion offiziell zu bekommen. Vorher war dies nur glücklichen Besitzern von geheimnisvollen, im Untergrund kopierten Samizdat-Tonbändern und –Kassetten vorbehalten. La Minor bringen Severnys Ideen jetzt mit ausgefeilten Arrangements und obercooler Umsetzung zur Entfaltung und entwickeln sie weiter zu ihrem eigenen Repertoire. Inzwischen ist Russki Chanson in Russland zu einem unsäglichen Genre auferstanden und dröhnt aus jedem Taxi. La Minor sind die schwarzen und darum sympathischen Schafe des russischen Knast- und Lager-Chansons. Ohne Schmalz und Goldkette.

So spielen La Minor auch eher in Rockclubs und laufen nicht auf „Radio Chanson” in Moskau. Sie nennen ihre Musik „Underground-Chanson mit menschlichem Antlitz”. La Minor wählen für ihre Interpretationen bewusst meist keine Standards, sondern nicht so bekannte Perlen der Folkpoesie aus. Diese alten russischen Gangster- und Knast-Songs, Blatnjak genannt, waren auch zu Sowjetzeit als eigentliche Folklore, also vom Volk gesungene und gehörte Lieder, präsent.

Offiziell verboten, wurden sie doch auf Partys und im Park zur Gitarre angestimmt. Besonders in Odessa mit seinem bunten Leben als Hafenstadt und Völker-Schmelztiegel mit traditionell großer jüdischer Gemeinde wurden diese Lieder sowohl in den Kneipen als auch von Intellektuellen und Künstlern gesungen. Die stolzen Tragödien und rasanten Abenteuer der Matrosen und Diebe, gepaart mit dem berühmten Odessaer Humor, sind das Material, aus dem La Minor ihre Welt schnitzen. Eine Welt der verruchten Hafenbars, in denen der geschniegelte Gangster-Casanova mit der Bordsteinschwalbe Tango tanzt und mit seinen Kumpels Wein trinkt und Karten spielt.

laminor5.jpgSo knackig und cool klang Folkmusik selten. Dirty Folk sozusagen. Darum ist die Band genauso bei einem Rock- und Indie-Publikum, wie bei der Intelligenzija und den Folk-Fans beliebt. Und wenn die Musiker von La Minor in Unterhemd und Schiebermütze die Bühne eures Clubs entern, wisst ihr, dass an dem Abend getanzt und geschwelgt wird. Mal sanft-jazzig, mal als Speed-Polka. Kleinkriminelle Chansons mit viel Seele und Gefühl, aber auch mal mit Augenzwinkern. Ausgelassenheit und Schwermut zugleich.

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Underground-Chanson mit menschlichem Antlitz

Es gibt so etwas wie den La-Minor-Sound. Warm und authentisch. Live-Akustik-Instrumente. Keine Overdubs oder Mini-Disc-Geflunker. Diese Gruppe erkennt man sofort, und sie schaffen eine eigene Atmosphäre. Sie sind echt. Und sie haben Charme. 2000 in St. Petersburg gegründet, waren La Minor seitdem schon oft auch in Europa auf Tour und haben in vielen kleinen Clubs und Spelunken, aber auch schon in größeren Hallen und auf Festivals gespielt und sich dabei eine treue Fangemeinde erspielt.

Die Musik von La Minor lädt zum Gläschen Wein zuhause genauso wie zum Tanzen ein. Das Bajan (russisches Knopf-Akkordeon) treibt an, das Saxophon umschmeichelt und Sänger Slawa Schalygin erzählt seine lyrischen Gangstergeschichten. Hinterhoflieder über böse Jungs, Liebe, Leidenschaft, Alkohol und Gefängnis.

La Minor kommen aus St. Petersburg, haben aber eine Schwäche für Odessa. Die Gassen und Bars der beiden Städte ähneln sich ja auch ein wenig in ihrem europäischen Charme. La Minor spielen so genannten Straßen-Chanson, russischen Folk, Jazz und Klezmer (Odessa-Style). Sie erwecken einen Teil der Atmosphäre des Odessas der 20er bis 40 Jahre zu neuem Leben. Ihre Lieder sind wie klingende Kriminalromane über kleine Ganoven und tragische Liebe. Fröhlich und gleichzeitig melancholisch. Diebe und Polizisten, Nutten und Undercover-Agenten bevölkern die urbane Unterwelt der La-Minor-Songs. Das zärtlich-liebevoll Mütterliche der russischen Sprache macht die derben Geschichten anrührend. Zeitlos.

laminor2.jpgIn einem Land, wo jeder fünfte Mann schon mal im Gefängnis saß, sind Knast- und Lagerlieder Volkskultur. In Belaja Akatsia wartet eine Mutter auf ihren Sohn, der im Gefängnislager ist. Der Klassiker Murka handelt von einer Ganovenbande aus Odessa, deren schöne, stolze Gang-Prinzessin Murka die Jungs für Pelz und Brillianten verpfeift und dafür mit dem Leben bezahlt. Ein großes Thema für La Minor sind unglückliche und leidenschaftliche Liebe sowie natürlich Eifersucht. Das Mädchen im Baumwollkleid (Devushka v platie iz sitsa) hüpfte ja schon auf Wladimir Kaminers erster Russendisko-CD. In dem Hit – hier auf Oboroty noch einmal in einer schicken neuen Version – hätte die Mama der Liebsten gern einen anständigen Schwiegersohn und keinen Trommler in einer Jazzband.

Oboroty kann im Russischen viele Bedeutungen haben: der Sänger und Texter La Minors Slawa Schalygin meint hier die Umdrehungen (Prozente) von Alkohol, die Geschwindigkeit von Schallplatten (33/45/78) und das Drehen des Rades des Lebens, das sich unaufhörlich dreht.

La MinorVorbild von Slawa ist der sowjetische Underground-Sänger Arkadi Severny. Dessen meist nicht ganz zutreffend als russischer Chanson bezeichneter Stil kommt aus der sowjetischen Subkultur der 70er Jahre und war erst nach der Implosion der Sowjetunion offiziell zu bekommen. Vorher war dies nur glücklichen Besitzern von geheimnisvollen, im Untergrund kopierten Samizdat-Tonbändern und –Kassetten vorbehalten. La Minor bringen Severnys Ideen jetzt mit ausgefeilten Arrangements und obercooler Umsetzung zur Entfaltung und entwickeln sie weiter zu ihrem eigenen Repertoire. Inzwischen ist Russki Chanson in Russland zu einem unsäglichen Genre auferstanden und dröhnt aus jedem Taxi. La Minor sind die schwarzen und darum sympathischen Schafe des russischen Knast- und Lager-Chansons. Ohne Schmalz und Goldkette.

So spielen La Minor auch eher in Rockclubs und laufen nicht auf „Radio Chanson” in Moskau. Sie nennen ihre Musik „Underground-Chanson mit menschlichem Antlitz”. La Minor wählen für ihre Interpretationen bewusst meist keine Standards, sondern nicht so bekannte Perlen der Folkpoesie aus. Diese alten russischen Gangster- und Knast-Songs, Blatnjak genannt, waren auch zu Sowjetzeit als eigentliche Folklore, also vom Volk gesungene und gehörte Lieder, präsent.

Offiziell verboten, wurden sie doch auf Partys und im Park zur Gitarre angestimmt. Besonders in Odessa mit seinem bunten Leben als Hafenstadt und Völker-Schmelztiegel mit traditionell großer jüdischer Gemeinde wurden diese Lieder sowohl in den Kneipen als auch von Intellektuellen und Künstlern gesungen. Die stolzen Tragödien und rasanten Abenteuer der Matrosen und Diebe, gepaart mit dem berühmten Odessaer Humor, sind das Material, aus dem La Minor ihre Welt schnitzen. Eine Welt der verruchten Hafenbars, in denen der geschniegelte Gangster-Casanova mit der Bordsteinschwalbe Tango tanzt und mit seinen Kumpels Wein trinkt und Karten spielt.

laminor5.jpgSo knackig und cool klang Folkmusik selten. Dirty Folk sozusagen. Darum ist die Band genauso bei einem Rock- und Indie-Publikum, wie bei der Intelligenzija und den Folk-Fans beliebt. Und wenn die Musiker von La Minor in Unterhemd und Schiebermütze die Bühne eures Clubs entern, wisst ihr, dass an dem Abend getanzt und geschwelgt wird. Mal sanft-jazzig, mal als Speed-Polka. Kleinkriminelle Chansons mit viel Seele und Gefühl, aber auch mal mit Augenzwinkern. Ausgelassenheit und Schwermut zugleich.

Text date: 2009-05-10  
Text: © Eastblok Records  
Ident-Code: 2272/1841/1


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