Freshlyground
Neue Klänge aus Südafrika

Man versetze sich nach Kapstadt, in das Amphitheater in den Kirstenbosch Botanical Gardens im November 2002. Eine nahezu unbekannte Gruppe junger Performer hat gerade ihr erstes Album veröffentlicht; sie sind Neulinge in der komplexen Welt der südafrikanischen Musikindustrie. Außer ihren hysterischen Groupies würden alle anderen Anwesenden wohl nicht davon ausgehen, dass diese Band in dem harten Musikgeschäft des Landes eine Überlebenschance hat.

Mit zwölf Nationalsprachen, hartnäckig bestehenden ethnischen Vorurteilen und einer recht kleinen Gesamtbevölkerung sind die Chancen, es hier zu schaffen, nicht gerade groß. Wie stellt man es an?

Als Freshlyground im November 2005 nach Kirstenbosch zurückkehren, ist ihr Auftritt von einem wahren Spektakel eingerahmt: Bei 5.000 verfügbaren Sitzplätzen formiert sich vor dem Eingang eine kilometerlange Schlange. In den umliegenden Bezirken bricht der Verkehr zusammen und während des Konzerts sitzen Leute außerhalb des Venues, um wenigstens einige Fetzen der Musik zu erhaschen. Zehntausend Leute werden an der Tür abgewiesen. In einem Land, in dem die Komplexität des Musikgeschmacks die soziale Struktur des Landes widerspiegelt, ist die Geschichte von Freshlyground eine Geschichte darüber, das Unmögliche möglich zu machen.

Wie stellt eine Band das an? Für jeden der sieben Mitglieder von Freshlyground bedeutet die Band mehr als nur Musik. Jeder hat seinen eigenen Hintergrund und bringt seine persönliche Version vom “afrikanisch sein” mit ein. Bei ihren Proben werden ihre Stile, Geschmäcker, Farben und Einstellungen durcheinander gewirbelt – ein Prozess, der einer Kernspaltung gleichkommt. Und das Ergebnis hat Ähnlichkeiten mit einer atomaren Explosion. “Pure Ausgelassenheit”, “Leidenschaft”, “glühendheiße Energie” ist das erste, was den Tastaturen der CD-Kritiker entspringt, gefolgt von “Ehrlichkeit”, “Tiefe” and “Integrität”. Die Individualität der einzelnen Mitglieder ist ein Teil der Kreativität, die in jedem Song und in jedem Ton steckt. Der Prozess, durch den ein Konsens zustande kommt, ist demokratisch. Und die Ergebnisse sind verblüffend.

Freshlyground fügen Violine und Flöte der bekannten Band-Instrumentierung (Bass, Schlagzeug, Keyboard und Gitarre) hinzu, gelegentlich kommen mbira, ein traditionelles afrikanisches “Daumenklavier”, und Saxophon dazu. Typisch für afrikanische Gruppen, ist ihr Tanz lose choreographiert, so dass der Spontaneität genügend Raum gegeben wird – und sie kommt mit vor Temperament sprühender Energie. “Vergiss dein Schicksal, komm auf die Füße und lebe!”, singt Leadsängerin Zolani und weiß dabei genau, wie sie ein Publikum zum Ausrasten bringt.

ZolaniZolani kommt aus einer kleinen Stadt in der Provinz Ostkap, wo hauptsächlich Xhosa gesprochen wird. Sie singt in Xhosa oder in Englisch, manchmal beides. Die Botschaften, die in ihren Worten liegen, sind Zeugnis jener Herausforderungen, mit denen Südafrika konfrontiert ist. Bei “Nomvula”, dem Titeltrack des letzten Albums von Freshlyground, erzählt sie die Geschichte ihres Heranwachsens in einem Zuhause ohne Mutter, berichtet von ihrer Bewunderung für ihren Vater und von jener Frau, die sie geworden ist. Gesungen in Xhosa finden ihre Worte den Nachhall durch die Townships. Ihre englischen Texte sind poetisch und modern, sie porträtieren eine sprachliche Intelligenz, die ihren feinen Schliff wahrscheinlich auch durch das Studium von Shakespeare an der Schauspielschule der Universität von Kapstadt erhalten hat. Die Sprünge zwischen den beiden Sprachen gehen ihr mühelos von den Lippen – wie viele ihrer Landsmänner ist auch sie es gewohnt, zwei Sprachen zu benutzen.

Sie traf Aron (Keyboard) an der Universität von Kapstadt, wo auch er Schauspiel studierte. Nur drei Jahre später sah sie ihn und Simon (Flöte, mbira, Saxophon) bei einem Auftritt in einem kleinen, verrauchten Club in Observatory, einem exzentrischen Vorort Kapstadts. Ein einem Akt, der die Musikszene Südafrikas für immer verändern sollte, betrat sie die Bühne und improvisierte den Gesang zu ihren Melodien. Freshlyground war geboren.

Aron wuchs auf einer Farm in der Karoo auf, einer rauen Wüstendlandschaft, die Kapstadt umgibt. Von hier kommt der größte Diamant, der jemals gefunden wurde. “Da draußen gibt es nichts außer Schafe”, lacht er. “Also kannst du deiner Vorstellungskraft freien Lauf lassen.” Eine Band zu gründen, das war eine Kindheitsfantasie. Und als er in das hell erleuchtete Kapstadt zog, bot sich ihm die Möglichkeit dazu.

Simon, der nach Kapstadt zog, um Englisch zu studieren, erhielt eine klassische Ausbildung mit der Flöte, fühlt sich aber in einer afrikanischen Band am wohlsten. Er ist der Meinung, dass seine klassische Ausbildung ihm eine Ausdrucksfähigkeit verliehen hat, die er mit in die Gruppe einbringen konnte, dennoch ist es seine Liebe zur magischen Musik seiner Heimat Zimbabwe, die ihn zu Freshlyground hinzieht. Nach traditioneller Shona-Sitte wird mbira gespielt, um für eine Zusammenkunft die Geister der Vorfahren herbeizurufen. Simon spielt das Instrument im typischen Stil Zimbabwes und die Wirkung seines mbira-Spiels auf den kreativen Prozess innerhalb der Band in der Anfangszeit war vielleicht das Geheimnis des Freshlyground-Sounds.

Und der Sound von Freshlyground ist lauter geworden. Seit der Veröffentlichung von “Jika Jika” und ihrem ersten Auftritt in den wunderschönen Kirstenbosch Gardens, unter dem zeitlosen Blick des Tafelbergs, geht ihr Stern weiter und weiter auf. Sie haben beim North Sea Jazz Festival neben Femi Kuti, Miriam Makeba und Stanley Clarke und beim Robben Island African Music Festival neben Oliver Mtukudzi und Jonathan Butler gespielt. Sie wurden eingeladen, in Zimbabwe, Tansania, Mauritius, Mosambik, Japan, Deutschland, Belgien und Holland zu spielen. Und zu der Zeit, als sie ihr zweites Album “Nomvula” (“Nach dem Regen”) aufgenommen haben, haben sich Freshlyground ihren natürlichen Status als Repräsentanten der Vielfalt ihres Landes gesichert. Die magnetische Anziehungskraft von “Nomvula” kommt vielleicht von der feinen Balance zwischen lebendigen, eingängigen Melodien und tiefgehend introspektiven Balladen. Vielleicht ist es die Harmonie zwischen den verschiedenen Elementen in der Gruppe, oder das musikalische Verständnis untereinander. Was auch immer es ist, “Nomvula” ist das Album, das Freshlyground unmissverständlich auf der Türschwelle der Welt angekündigt hat. “Doo Be Doo” ist vielleicht eines der mitreißendsten Lieder, das jemals geschrieben wurde (man frage mal einen beliebigen Zweijährigen in Südafrika danach!). Mit dieser Single, einem Porträt des Lebens durch eine rosarote Brille, hatten Freshlyground die südafrikanische Öffentlichkeit in der Hand. Es war der am meisten gespielte Song des Jahres 2005.

FreshlygroundIn Südafrika eroberten sie die Charts (die zweite Single des Albums, “I’d like”, blieb für drei Wochen in Folge auf Platz eins der 5FM Pop-Charts), die CDs verkauften sich (trotz der heftigen Piraterie gingen 150.000 CDs über den Ladentisch) und die Gigs häuften sich an (insgesamt waren es im Jahr 2005 über zweihundert). Jede Radiostation des Landes spielt ihre Musik. Und dennoch hat die Gruppe sich ihren Sinn für individuelle Identität bewahrt.

Im November 2005 spielten Freshlyground einen Exklusiv-Gig, um auf die Desmond Tutu HIV-Stiftung aufmerksam zu machen und dafür Spenden zu sammeln – eine Wohltätigkeitsorganisation, die die Verteilung von antiretroviralen Medikamenten an HIV-positive Menschen in den ärmsten Gebieten des Landes unterstützt. Ihr Mitwirken ist eine einfache Reflektion ihrer Verbindung mit der ungeschminkten Lebensrealität so vieler Menschen in Afrika. “Wir wurden nicht gezwungen, den Gig zu machen”, sagt Josh. “Es war uns ein Bedürfnis, es zu tun.” Sie haben sich selbst dazu entschlossen, daraus eine jährliche Veranstaltung zu machen.

Gemessen an den vielfältigen Klängen, die seiner Gitarre entspringen, hat Julio (“Gugs”) eine multiple Persönlichkeitsstörung. Vielleicht passiert das, wenn man im portugiesischsprachigen Mosambik aufwächst, technisches Zeichnen lernt und sich dann entscheidet, in Kapstadt Jazz-Gitarre zu studieren. Wie auch immer, Freshlyground hat einen Leadgitarristen, der ihrer Musik mit seinen Fingern neue Dimensionen verleiht. Kyla-Rose hat ebenfalls Jazz studiert. Ungewöhnlich für ein weißes Mädchen aus Jo-burg ist es ihre afrikanische Tanzkunst, ein perfektes Gegenstück zu Zolanis Tanz, die sie von anderen unterscheidet und die ihr den Respekt des Township-Volkes einbrachte. Die Rhythmus-Kombination aus Josh am Bass und Pete am Schlagzeug verleihen der Band Tiefe. Josh hat bereits mit Johnny Clegg und Pete mit Mango Groove gespielt. Die beiden Kapstädter sind bewährte Musiker, und sie sind ein Gegengewicht, das auf der Vorderbühne jene Spontaneität ermöglicht, welche die Zuschauer so verzaubert.

Überall, wo sie hingehen, sind Freshlyground eine Sensation. In Südafrika kommen die Leute scharenweise, um die Band zu sehen. Ältere Menschen sehen auf und tanzen. Hippe schwarze Teenager singen ihre Texte mit. Weiße Kids machen ihre Bewegungen nach. Allein die Existenz dieser Band in Südafrika ist ein Versprechen für eine harmonische Zukunft. Aber Stillhalten ist nicht das Ding von Freshlyground. Auch in Großbritannien und in Europa werden sie für Sensationen sorgen. Sie werden Menschenmengen anziehen. Sie werden historische Grenzen überbrücken. Sie werden sich musikalischer Stereotypen widersetzen. Das ist es, was sie schon immer gemacht haben. Und es wird wirklich Zeit, dass eine Afro-Pop-Band die magische Musik Afrikas in die Welt bringt. Höchste Zeit.

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Neue Klänge aus Südafrika

Man versetze sich nach Kapstadt, in das Amphitheater in den Kirstenbosch Botanical Gardens im November 2002. Eine nahezu unbekannte Gruppe junger Performer hat gerade ihr erstes Album veröffentlicht; sie sind Neulinge in der komplexen Welt der südafrikanischen Musikindustrie. Außer ihren hysterischen Groupies würden alle anderen Anwesenden wohl nicht davon ausgehen, dass diese Band in dem harten Musikgeschäft des Landes eine Überlebenschance hat.

Mit zwölf Nationalsprachen, hartnäckig bestehenden ethnischen Vorurteilen und einer recht kleinen Gesamtbevölkerung sind die Chancen, es hier zu schaffen, nicht gerade groß. Wie stellt man es an?

Als Freshlyground im November 2005 nach Kirstenbosch zurückkehren, ist ihr Auftritt von einem wahren Spektakel eingerahmt: Bei 5.000 verfügbaren Sitzplätzen formiert sich vor dem Eingang eine kilometerlange Schlange. In den umliegenden Bezirken bricht der Verkehr zusammen und während des Konzerts sitzen Leute außerhalb des Venues, um wenigstens einige Fetzen der Musik zu erhaschen. Zehntausend Leute werden an der Tür abgewiesen. In einem Land, in dem die Komplexität des Musikgeschmacks die soziale Struktur des Landes widerspiegelt, ist die Geschichte von Freshlyground eine Geschichte darüber, das Unmögliche möglich zu machen.

Wie stellt eine Band das an? Für jeden der sieben Mitglieder von Freshlyground bedeutet die Band mehr als nur Musik. Jeder hat seinen eigenen Hintergrund und bringt seine persönliche Version vom “afrikanisch sein” mit ein. Bei ihren Proben werden ihre Stile, Geschmäcker, Farben und Einstellungen durcheinander gewirbelt – ein Prozess, der einer Kernspaltung gleichkommt. Und das Ergebnis hat Ähnlichkeiten mit einer atomaren Explosion. “Pure Ausgelassenheit”, “Leidenschaft”, “glühendheiße Energie” ist das erste, was den Tastaturen der CD-Kritiker entspringt, gefolgt von “Ehrlichkeit”, “Tiefe” and “Integrität”. Die Individualität der einzelnen Mitglieder ist ein Teil der Kreativität, die in jedem Song und in jedem Ton steckt. Der Prozess, durch den ein Konsens zustande kommt, ist demokratisch. Und die Ergebnisse sind verblüffend.

Freshlyground fügen Violine und Flöte der bekannten Band-Instrumentierung (Bass, Schlagzeug, Keyboard und Gitarre) hinzu, gelegentlich kommen mbira, ein traditionelles afrikanisches “Daumenklavier”, und Saxophon dazu. Typisch für afrikanische Gruppen, ist ihr Tanz lose choreographiert, so dass der Spontaneität genügend Raum gegeben wird – und sie kommt mit vor Temperament sprühender Energie. “Vergiss dein Schicksal, komm auf die Füße und lebe!”, singt Leadsängerin Zolani und weiß dabei genau, wie sie ein Publikum zum Ausrasten bringt.

ZolaniZolani kommt aus einer kleinen Stadt in der Provinz Ostkap, wo hauptsächlich Xhosa gesprochen wird. Sie singt in Xhosa oder in Englisch, manchmal beides. Die Botschaften, die in ihren Worten liegen, sind Zeugnis jener Herausforderungen, mit denen Südafrika konfrontiert ist. Bei “Nomvula”, dem Titeltrack des letzten Albums von Freshlyground, erzählt sie die Geschichte ihres Heranwachsens in einem Zuhause ohne Mutter, berichtet von ihrer Bewunderung für ihren Vater und von jener Frau, die sie geworden ist. Gesungen in Xhosa finden ihre Worte den Nachhall durch die Townships. Ihre englischen Texte sind poetisch und modern, sie porträtieren eine sprachliche Intelligenz, die ihren feinen Schliff wahrscheinlich auch durch das Studium von Shakespeare an der Schauspielschule der Universität von Kapstadt erhalten hat. Die Sprünge zwischen den beiden Sprachen gehen ihr mühelos von den Lippen – wie viele ihrer Landsmänner ist auch sie es gewohnt, zwei Sprachen zu benutzen.

Sie traf Aron (Keyboard) an der Universität von Kapstadt, wo auch er Schauspiel studierte. Nur drei Jahre später sah sie ihn und Simon (Flöte, mbira, Saxophon) bei einem Auftritt in einem kleinen, verrauchten Club in Observatory, einem exzentrischen Vorort Kapstadts. Ein einem Akt, der die Musikszene Südafrikas für immer verändern sollte, betrat sie die Bühne und improvisierte den Gesang zu ihren Melodien. Freshlyground war geboren.

Aron wuchs auf einer Farm in der Karoo auf, einer rauen Wüstendlandschaft, die Kapstadt umgibt. Von hier kommt der größte Diamant, der jemals gefunden wurde. “Da draußen gibt es nichts außer Schafe”, lacht er. “Also kannst du deiner Vorstellungskraft freien Lauf lassen.” Eine Band zu gründen, das war eine Kindheitsfantasie. Und als er in das hell erleuchtete Kapstadt zog, bot sich ihm die Möglichkeit dazu.

Simon, der nach Kapstadt zog, um Englisch zu studieren, erhielt eine klassische Ausbildung mit der Flöte, fühlt sich aber in einer afrikanischen Band am wohlsten. Er ist der Meinung, dass seine klassische Ausbildung ihm eine Ausdrucksfähigkeit verliehen hat, die er mit in die Gruppe einbringen konnte, dennoch ist es seine Liebe zur magischen Musik seiner Heimat Zimbabwe, die ihn zu Freshlyground hinzieht. Nach traditioneller Shona-Sitte wird mbira gespielt, um für eine Zusammenkunft die Geister der Vorfahren herbeizurufen. Simon spielt das Instrument im typischen Stil Zimbabwes und die Wirkung seines mbira-Spiels auf den kreativen Prozess innerhalb der Band in der Anfangszeit war vielleicht das Geheimnis des Freshlyground-Sounds.

Und der Sound von Freshlyground ist lauter geworden. Seit der Veröffentlichung von “Jika Jika” und ihrem ersten Auftritt in den wunderschönen Kirstenbosch Gardens, unter dem zeitlosen Blick des Tafelbergs, geht ihr Stern weiter und weiter auf. Sie haben beim North Sea Jazz Festival neben Femi Kuti, Miriam Makeba und Stanley Clarke und beim Robben Island African Music Festival neben Oliver Mtukudzi und Jonathan Butler gespielt. Sie wurden eingeladen, in Zimbabwe, Tansania, Mauritius, Mosambik, Japan, Deutschland, Belgien und Holland zu spielen. Und zu der Zeit, als sie ihr zweites Album “Nomvula” (“Nach dem Regen”) aufgenommen haben, haben sich Freshlyground ihren natürlichen Status als Repräsentanten der Vielfalt ihres Landes gesichert. Die magnetische Anziehungskraft von “Nomvula” kommt vielleicht von der feinen Balance zwischen lebendigen, eingängigen Melodien und tiefgehend introspektiven Balladen. Vielleicht ist es die Harmonie zwischen den verschiedenen Elementen in der Gruppe, oder das musikalische Verständnis untereinander. Was auch immer es ist, “Nomvula” ist das Album, das Freshlyground unmissverständlich auf der Türschwelle der Welt angekündigt hat. “Doo Be Doo” ist vielleicht eines der mitreißendsten Lieder, das jemals geschrieben wurde (man frage mal einen beliebigen Zweijährigen in Südafrika danach!). Mit dieser Single, einem Porträt des Lebens durch eine rosarote Brille, hatten Freshlyground die südafrikanische Öffentlichkeit in der Hand. Es war der am meisten gespielte Song des Jahres 2005.

FreshlygroundIn Südafrika eroberten sie die Charts (die zweite Single des Albums, “I’d like”, blieb für drei Wochen in Folge auf Platz eins der 5FM Pop-Charts), die CDs verkauften sich (trotz der heftigen Piraterie gingen 150.000 CDs über den Ladentisch) und die Gigs häuften sich an (insgesamt waren es im Jahr 2005 über zweihundert). Jede Radiostation des Landes spielt ihre Musik. Und dennoch hat die Gruppe sich ihren Sinn für individuelle Identität bewahrt.

Im November 2005 spielten Freshlyground einen Exklusiv-Gig, um auf die Desmond Tutu HIV-Stiftung aufmerksam zu machen und dafür Spenden zu sammeln – eine Wohltätigkeitsorganisation, die die Verteilung von antiretroviralen Medikamenten an HIV-positive Menschen in den ärmsten Gebieten des Landes unterstützt. Ihr Mitwirken ist eine einfache Reflektion ihrer Verbindung mit der ungeschminkten Lebensrealität so vieler Menschen in Afrika. “Wir wurden nicht gezwungen, den Gig zu machen”, sagt Josh. “Es war uns ein Bedürfnis, es zu tun.” Sie haben sich selbst dazu entschlossen, daraus eine jährliche Veranstaltung zu machen.

Gemessen an den vielfältigen Klängen, die seiner Gitarre entspringen, hat Julio (“Gugs”) eine multiple Persönlichkeitsstörung. Vielleicht passiert das, wenn man im portugiesischsprachigen Mosambik aufwächst, technisches Zeichnen lernt und sich dann entscheidet, in Kapstadt Jazz-Gitarre zu studieren. Wie auch immer, Freshlyground hat einen Leadgitarristen, der ihrer Musik mit seinen Fingern neue Dimensionen verleiht. Kyla-Rose hat ebenfalls Jazz studiert. Ungewöhnlich für ein weißes Mädchen aus Jo-burg ist es ihre afrikanische Tanzkunst, ein perfektes Gegenstück zu Zolanis Tanz, die sie von anderen unterscheidet und die ihr den Respekt des Township-Volkes einbrachte. Die Rhythmus-Kombination aus Josh am Bass und Pete am Schlagzeug verleihen der Band Tiefe. Josh hat bereits mit Johnny Clegg und Pete mit Mango Groove gespielt. Die beiden Kapstädter sind bewährte Musiker, und sie sind ein Gegengewicht, das auf der Vorderbühne jene Spontaneität ermöglicht, welche die Zuschauer so verzaubert.

Überall, wo sie hingehen, sind Freshlyground eine Sensation. In Südafrika kommen die Leute scharenweise, um die Band zu sehen. Ältere Menschen sehen auf und tanzen. Hippe schwarze Teenager singen ihre Texte mit. Weiße Kids machen ihre Bewegungen nach. Allein die Existenz dieser Band in Südafrika ist ein Versprechen für eine harmonische Zukunft. Aber Stillhalten ist nicht das Ding von Freshlyground. Auch in Großbritannien und in Europa werden sie für Sensationen sorgen. Sie werden Menschenmengen anziehen. Sie werden historische Grenzen überbrücken. Sie werden sich musikalischer Stereotypen widersetzen. Das ist es, was sie schon immer gemacht haben. Und es wird wirklich Zeit, dass eine Afro-Pop-Band die magische Musik Afrikas in die Welt bringt. Höchste Zeit.

Text date: 2008-07-20  
Text: © Nuzzcom Music Office  
Ident-Code: 1729/1732/1


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