Ojos de Brujo
Flamenco enérgico

Ojos de Brujo sind einmalig – nicht nur wegen ihrer dynamischen, Flamenco-inspirierten Musikalität, sondern auch wegen ihrer radikal modernen Ausrichtung und ihrem starken gemeinschaftlichen Geist. Sie bekennen sich zu ihren spanischen Wurzeln und Gypsy-Einflüssen, sind dabei aber trotzdem meilenweit von traditionellem Flamenco entfernt. Ihre Live-Auftritte sind legendär geworden, und ihre Alben ernten überall nur Lob.

Die Geschichte der Band beginnt mit einigen regelmäßigen Jam-Sessions in Barcelona, einer der kulturell vielfältigsten und aufregendsten Städte des Mittelmeerraumes. Als der Percussionist Xavi Turull die restlichen Bandmitglieder das erste Mal traf, waren sie zunächst nicht mehr als ein lockeres musikalisches Kollektiv. Turull war Mitglied der angesehenen Flamenco-Fusion-Band Amalgama (bedeutet so viel wie “Mixtur der Rhythmen”), doch als die Band sich trennte, zog er zurück nach Barcelona. Schon bald nach seiner Rückkehr wurde er gebeten, an den Jam-Sessions teilzunehmen und bei der Gründung einer Band mitzuwirken.

Die zentrale Figur der Band war schon immer der Flamenco-Gitarrist Ramón Giménez, ein gebürtiger Gypsy. Er hatte schon bei diversen Bands mitgespielt und mit den unterschiedlichsten Musikstilen experimentiert, darunter Hip Hop und Heavy Metal. Schließlich fand er mit Xavi, der Sängerin Marina “la Canillas”, dem Keyboarder und Scratch-DJ Panko, dem Drummer Sergio Ramos, dem Percussionisten und Sänger Maxwell Wright, dem Flamenco-Gitarristen Paco Lomeña und dem Bassisten Javi Martin zusammen. Die Fluktuation an Musikern war in den frühen Tagen der Band relativ hoch, aber der Kern von acht Mitgliedern blieb zusammen. Sie festigten ihren Zusammenhalt durch einige Live-Shows und dem starken Willen, Grenzen auszutesten und zu überwinden.

Ojos de BrujoZuvor hatte die Sängerin Marina mit Punkrock und Flamenco experimentiert, aber auch Theater gespielt. “Marina experimentierte auf der Bühne mit einer Frauengruppe in Valencia, die sich Agüita Troup nannte,” erzählt Xavi. “Sie lebte mit ein paar ziemlich alternativen Leuten, die sich für soziale Belange einsetzten, in besetzen Häusern. Sie war die wahrscheinlich politisch und sozial engagierteste in der Band, und das merkt man auch in ihren Texten. “

Jedes Bandmitglied hat seine eigene Geschichte. Sergio Ramos zum Beispiel war in einer experimentellen Gruppe namens “De Cajon”, und Panko war zuvor in einer anderen Flamenco-Fusion-Band. “Als wir anfingen, spielten wir in kleinen Clubs in Katalonien und wenn nötig auch auf der Straße,” erzählt Xavi. “Wir machte das im Prinzip ohne Bezahlung. Das war eine ziemlich harte Zeit. Jeder machte nebenbei noch andere Dinge, spielte in anderen Bands oder hatte andere Jobs. Am Anfang war es einfach unmöglich, nur von der Musik zu leben. Entweder man ist reich, oder man macht so wie wir andere Jobs nebenbei. Ramon arbeitete in der Elektronik-Branche, Marina spielte Theater, und Sergio gab Musikunterricht†¦”

Flamenco mit zeitgenössischen Einflüssen zu kombinieren ist ein relativ modernes Konzept. Xavi leistete im Jahre 1986/87 echte Pionierarbeit, die Flamenco-Bewegung kam nämlich erst in den Neunzigern richtig auf. “Für uns in Spanien ist Flamenco einer der vielfältigsten Musikstile, die wir haben. Flamenco und keltische Musik sind die stärksten Folklore-Wurzeln in Spanien. Im nordwestlichen Teil des Landes gibt es eine Reihe von keltisch beeinflussten Musikern, deshalb gibt es auch eine starke Verbindung mit Irland und England. Wir als Band konzentrieren uns aber auf den Süden, die Geburtsstätte des Flamenco.”

Der Name Ojos de Brujo bedeutet übersetzt “Augen des Zauberers”. “Wir haben uns für diesen Namen entschieden, weil wir denken, dass Zauberer, Hexen und Hexenmeister ein größeres Bewusstsein haben als der Rest der Bevölkerung. Sie sind sich stärker bewusst darüber, was in der Welt vorgeht. Wir glauben, dass Musik und jede andere Form der Kunst daran arbeiten sollte, die Welt bewusster zu gestalten. Außerdem ist “Brujo” ein Wort, dass in engem Zusammenhang mit Flamenco steht. Gypsies hatten immer ihre Hexen und Zauberer, die sie beschützten.”

Der Geist der Gypsies ist das Herz der Band, und Ramon ist sozusagen der spirituelle Guru der Truppe. “Wir mögen Globalisierung nicht, weil wir der Meinung sind, dass Minderheiten dabei schlecht wegkommen,” sagt Xavi. “Jede Minderheitenkultur hat ihre Eigenheiten, und die Weisheiten der verschiedenen Kulturen der Welt dürfen nicht verloren gehen. Gypsies verlieren ihre Sprachen, weil niemand sich darum kümmert, sie zu erhalten. Sie wurden immer schon unterdrückt. Wir benutzen Gypsy-Wörter, die im aktuellen Sprachgebrauch schon so gut wie ausgestorben sind. Wir unterstützen Ramon bei seinem Vorhaben, seine Kultur zu erhalten. ”

Ojos de BrujoIn der Band herrschte schon immer ein unabhängiger Geist. Auch als die Gruppe ihre Ziele noch nicht klar abgesteckt hatte, bestanden Xavi und Marina immer darauf, dass Ojos de Brujo eine eigenständige Sache mit eigenem Management und unabhängiger Finanzierung bleibt. Sie wurden jedoch überstimmt, und das erste Album Vengue wurde bei dem spanischen Label Edel veröffentlicht. “Wir hatten ein sehr kleines Budget, die Veröffentlichung hat sich lange hingezogen,” erzählt Xavi. “Wir wurden durch Mundpropaganda bekannt, weil einer unserer früheren Mitglieder uns viele Auftritte verschaffen konnte. Zu der Zeit, als das Album veröffentlicht wurde, konnten wir Venues in Barcelona mit einer Kapazität von 1400 Leuten füllen. Es war verrückt: Es war voll, und draußen warteten noch 500 Leute, um reinzukommen. Da haben wir gemerkt, dass die Leute wirklich interessiert sind an uns.”

Ojos schufen einen komplett neuen Musikstil, und die Menschen reagierten darauf. Die Band arbeitete mit DJs, die zu Flamenco-Rhythmen scratchten, und brachten so den Flamenco in urbane Gebiete. Während ihrer Konzerte durchquerten sie Hip Hop, Jazz, Rock, Ragga, Funk und alle möglichen Arten von lateinamerikanischer, orientalischer und hinduistischer Musik. “Die Parameter waren sehr breit, und das ist wahrscheinlich auch das Geheimnis, warum die Leute so verrückt nach dem waren, was wir taten”, vermutet Xavi.

“Am Anfang waren Ramon und ich das Epizentrum der Band,” erklärt er. “Wenn Ramon Flamenco-Gitarre spielte, nannten wir ihn El Metralleta (Maschinengewehr). Mich nannte man Kapitän, denn wenn allen die Luft ausging, zog ich das Tempo wieder an. Ramon und ich schufen pausenlos verrückte Rhythmen und zogen auf der Bühne alle mit. ”

Das Folgealbum Bari entstand in gerade mal fünf Monaten und wurde in weniger als einem Monat abgemixt. Xavi glaubt, dass zu dieser Zeit der wahre Sound von Ojos de Brujo zu reifen begann. “Damals startete der Trip so richtig, weil wir uns gegen eine Plattenfirma entschieden und versuchten, uns selbst als großes Kollektiv zu managen und zu finanzieren. ” Es wurde auch ihr bisher erfolgreichstes Album. Sie gewannen Fans überall auf der Welt mit ansteckenden Hymnen wie Ventilator R-80, Tiempo de Soleá, und Ley de Gravedad.

Das Gypsy-Wort Bari ist schwer zu übersetzen, aber die Bedeutung ist relativ einfach. “Wenn sich alles im Leben einfach großartig anfühlt, hat man Bari.” Kurz nach der Bari-Zeit (2002-2005) gab die Band ihrem Plattenlabel einen neuen Namen: “Diquela”, was “sehen” bedeutet. “Es ist eine neue Ära,” sagt Xavi. “Mit Diquela versuchen wir einen Weg zu finden, wirklich frei zu sein. Das ist auch der Grund, warum unser neues Album Techarí heißt, was in der Sprache der Gypsy “frei” bedeutet.”

Die Arbeit an Techarí begann Ende März 2005 und war Ende Oktober abgeschlossen. Zwischenzeitlich absolvierte die Band zwei internationale Tourneen, was eine Unterbrechung der Aufnahmen bedeutete. “Die Touren haben unsere Konzentration auf das Album ein wenig gestört, aber das Ergebnis ist wundervoll”, erzählt Xavi. “Für mich ist es das erste Mal, dass ich mit einem Album wirklich absolut glücklich bin. Ich habe das Gefühl, dass wir jetzt an den Punkt kommen, an dem unser Sound wirklich so ist, wie wir ihn haben wollen.”

Der kreative Prozess blieb jedoch ein wenig planlos, was in der Natur eines Kollektivs liegt. “Wir wissen nie wirklich, was wir machen werden,” lacht Xavi. “Wir wollen alle einfach nur Musik machen und haben immer neue Ideen. Wir entscheiden dann alle zusammen, ob wir die Ideen umsetzen oder nicht. Das verlangsamt den Prozess ziemlich, aber im Ergebnis lohnt es sich. Heraus kommt eine Mischung aus all den Gefühlen, dem Wissen und der Weisheit von acht Menschen. Der einzige Nachteil ist, das diese Langsamkeit viel Zeit kostet, deshalb ist langsam sein gleichzeitig auch teuer. Wenn man wirklich kreativ ist, kann man damit nicht wirklich viel Geld verdienen.”

Gäste auf dem Album sind Faada Freddy vom senegalesischen Hip Hop-Kollektiv Daara J, Prithpal Rajput von Asian Dub Foundation und Nitin Sawhney. Der kubanische Pianist Roberto Carcassés und der angesehene Flamenco-Gitarrist Pepe Habichuela trugen ebenfalls zum neuen Album bei, genauso wie der Tres-Spieler und Flamenco-Gitarrist Raúl Rodríguez. Die Band betont, dass die Zusammenarbeit das Ergebnis von neuen Freundschaften und keine Label- oder Marketingstrategie ist. Bei Ojos de Brujo kommt einfach alles immer von Herzen.

Genauso wie Bari ist auch das neue Album gespickt mit fantastischen Eindrücken von zahlreichen jungen Künstlern. Die gestalterische Seite des Albums scheint der Band genauso wichtig zu sein wie die Musik. “Wir hatten immer eine Beziehung zu verschiedenen Formen der Kunst, vor allem zu Grafik”, betont Xavi. “Wenn wir Liveshows machen, versuchen wir immer, unsere Freunde und ihre Graffitis auf die Bühne zu bringen, während wir spielen. Dass sie Graffitis sprühen, während wir spielen, haben wir von Anfang an so gemacht, genauso wie das Tanzen. Ich hoffe wirklich, dass wir auch dieses Jahr Graffiti-Künstler und Tänzer überall dabei haben können.”

Die Gestaltung von Techari beinhaltet vierzehn Illustrationen von überall auf der Welt, um die individuelle Natur der vierzehn Tracks zu unterstreichen. Außerdem gibt es eine Sonderedition mit einem 60-seitigen Digibook, das drei Illustrationen von jedem Künstler enthält. “Unser größtes Problem ist, dass wir immer zuviel Geld ausgeben. Es ist ein Opfer für die Kunst, weil wir die Dinge so haben wollen, wie wir sie uns vorstellen. Niemand in der Band plant reich zu werden.”

“Wir laden immer neue Leute ein, kürzlich zum Beispiel Carlos Sardy, ein Trompeter und fiscornio-Spieler aus Kuba. Wir haben ihn letztes Jahr bei Aufnahmen in La Havana kennengelernt. Jetzt ist er nach Spanien gezogen und spielt regelmäßig mit uns. Das war schon immer so. Wenn man nicht alle, sondern nur ein paar von uns auf der Bühne sieht, ist es deswegen, weil uns jemand mit vorgehaltener Pistole dazu gezwungen hat!”

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Flamenco enérgico

Ojos de Brujo sind einmalig – nicht nur wegen ihrer dynamischen, Flamenco-inspirierten Musikalität, sondern auch wegen ihrer radikal modernen Ausrichtung und ihrem starken gemeinschaftlichen Geist. Sie bekennen sich zu ihren spanischen Wurzeln und Gypsy-Einflüssen, sind dabei aber trotzdem meilenweit von traditionellem Flamenco entfernt. Ihre Live-Auftritte sind legendär geworden, und ihre Alben ernten überall nur Lob.

Die Geschichte der Band beginnt mit einigen regelmäßigen Jam-Sessions in Barcelona, einer der kulturell vielfältigsten und aufregendsten Städte des Mittelmeerraumes. Als der Percussionist Xavi Turull die restlichen Bandmitglieder das erste Mal traf, waren sie zunächst nicht mehr als ein lockeres musikalisches Kollektiv. Turull war Mitglied der angesehenen Flamenco-Fusion-Band Amalgama (bedeutet so viel wie “Mixtur der Rhythmen”), doch als die Band sich trennte, zog er zurück nach Barcelona. Schon bald nach seiner Rückkehr wurde er gebeten, an den Jam-Sessions teilzunehmen und bei der Gründung einer Band mitzuwirken.

Die zentrale Figur der Band war schon immer der Flamenco-Gitarrist Ramón Giménez, ein gebürtiger Gypsy. Er hatte schon bei diversen Bands mitgespielt und mit den unterschiedlichsten Musikstilen experimentiert, darunter Hip Hop und Heavy Metal. Schließlich fand er mit Xavi, der Sängerin Marina “la Canillas”, dem Keyboarder und Scratch-DJ Panko, dem Drummer Sergio Ramos, dem Percussionisten und Sänger Maxwell Wright, dem Flamenco-Gitarristen Paco Lomeña und dem Bassisten Javi Martin zusammen. Die Fluktuation an Musikern war in den frühen Tagen der Band relativ hoch, aber der Kern von acht Mitgliedern blieb zusammen. Sie festigten ihren Zusammenhalt durch einige Live-Shows und dem starken Willen, Grenzen auszutesten und zu überwinden.

Ojos de BrujoZuvor hatte die Sängerin Marina mit Punkrock und Flamenco experimentiert, aber auch Theater gespielt. “Marina experimentierte auf der Bühne mit einer Frauengruppe in Valencia, die sich Agüita Troup nannte,” erzählt Xavi. “Sie lebte mit ein paar ziemlich alternativen Leuten, die sich für soziale Belange einsetzten, in besetzen Häusern. Sie war die wahrscheinlich politisch und sozial engagierteste in der Band, und das merkt man auch in ihren Texten. “

Jedes Bandmitglied hat seine eigene Geschichte. Sergio Ramos zum Beispiel war in einer experimentellen Gruppe namens “De Cajon”, und Panko war zuvor in einer anderen Flamenco-Fusion-Band. “Als wir anfingen, spielten wir in kleinen Clubs in Katalonien und wenn nötig auch auf der Straße,” erzählt Xavi. “Wir machte das im Prinzip ohne Bezahlung. Das war eine ziemlich harte Zeit. Jeder machte nebenbei noch andere Dinge, spielte in anderen Bands oder hatte andere Jobs. Am Anfang war es einfach unmöglich, nur von der Musik zu leben. Entweder man ist reich, oder man macht so wie wir andere Jobs nebenbei. Ramon arbeitete in der Elektronik-Branche, Marina spielte Theater, und Sergio gab Musikunterricht†¦”

Flamenco mit zeitgenössischen Einflüssen zu kombinieren ist ein relativ modernes Konzept. Xavi leistete im Jahre 1986/87 echte Pionierarbeit, die Flamenco-Bewegung kam nämlich erst in den Neunzigern richtig auf. “Für uns in Spanien ist Flamenco einer der vielfältigsten Musikstile, die wir haben. Flamenco und keltische Musik sind die stärksten Folklore-Wurzeln in Spanien. Im nordwestlichen Teil des Landes gibt es eine Reihe von keltisch beeinflussten Musikern, deshalb gibt es auch eine starke Verbindung mit Irland und England. Wir als Band konzentrieren uns aber auf den Süden, die Geburtsstätte des Flamenco.”

Der Name Ojos de Brujo bedeutet übersetzt “Augen des Zauberers”. “Wir haben uns für diesen Namen entschieden, weil wir denken, dass Zauberer, Hexen und Hexenmeister ein größeres Bewusstsein haben als der Rest der Bevölkerung. Sie sind sich stärker bewusst darüber, was in der Welt vorgeht. Wir glauben, dass Musik und jede andere Form der Kunst daran arbeiten sollte, die Welt bewusster zu gestalten. Außerdem ist “Brujo” ein Wort, dass in engem Zusammenhang mit Flamenco steht. Gypsies hatten immer ihre Hexen und Zauberer, die sie beschützten.”

Der Geist der Gypsies ist das Herz der Band, und Ramon ist sozusagen der spirituelle Guru der Truppe. “Wir mögen Globalisierung nicht, weil wir der Meinung sind, dass Minderheiten dabei schlecht wegkommen,” sagt Xavi. “Jede Minderheitenkultur hat ihre Eigenheiten, und die Weisheiten der verschiedenen Kulturen der Welt dürfen nicht verloren gehen. Gypsies verlieren ihre Sprachen, weil niemand sich darum kümmert, sie zu erhalten. Sie wurden immer schon unterdrückt. Wir benutzen Gypsy-Wörter, die im aktuellen Sprachgebrauch schon so gut wie ausgestorben sind. Wir unterstützen Ramon bei seinem Vorhaben, seine Kultur zu erhalten. ”

Ojos de BrujoIn der Band herrschte schon immer ein unabhängiger Geist. Auch als die Gruppe ihre Ziele noch nicht klar abgesteckt hatte, bestanden Xavi und Marina immer darauf, dass Ojos de Brujo eine eigenständige Sache mit eigenem Management und unabhängiger Finanzierung bleibt. Sie wurden jedoch überstimmt, und das erste Album Vengue wurde bei dem spanischen Label Edel veröffentlicht. “Wir hatten ein sehr kleines Budget, die Veröffentlichung hat sich lange hingezogen,” erzählt Xavi. “Wir wurden durch Mundpropaganda bekannt, weil einer unserer früheren Mitglieder uns viele Auftritte verschaffen konnte. Zu der Zeit, als das Album veröffentlicht wurde, konnten wir Venues in Barcelona mit einer Kapazität von 1400 Leuten füllen. Es war verrückt: Es war voll, und draußen warteten noch 500 Leute, um reinzukommen. Da haben wir gemerkt, dass die Leute wirklich interessiert sind an uns.”

Ojos schufen einen komplett neuen Musikstil, und die Menschen reagierten darauf. Die Band arbeitete mit DJs, die zu Flamenco-Rhythmen scratchten, und brachten so den Flamenco in urbane Gebiete. Während ihrer Konzerte durchquerten sie Hip Hop, Jazz, Rock, Ragga, Funk und alle möglichen Arten von lateinamerikanischer, orientalischer und hinduistischer Musik. “Die Parameter waren sehr breit, und das ist wahrscheinlich auch das Geheimnis, warum die Leute so verrückt nach dem waren, was wir taten”, vermutet Xavi.

“Am Anfang waren Ramon und ich das Epizentrum der Band,” erklärt er. “Wenn Ramon Flamenco-Gitarre spielte, nannten wir ihn El Metralleta (Maschinengewehr). Mich nannte man Kapitän, denn wenn allen die Luft ausging, zog ich das Tempo wieder an. Ramon und ich schufen pausenlos verrückte Rhythmen und zogen auf der Bühne alle mit. ”

Das Folgealbum Bari entstand in gerade mal fünf Monaten und wurde in weniger als einem Monat abgemixt. Xavi glaubt, dass zu dieser Zeit der wahre Sound von Ojos de Brujo zu reifen begann. “Damals startete der Trip so richtig, weil wir uns gegen eine Plattenfirma entschieden und versuchten, uns selbst als großes Kollektiv zu managen und zu finanzieren. ” Es wurde auch ihr bisher erfolgreichstes Album. Sie gewannen Fans überall auf der Welt mit ansteckenden Hymnen wie Ventilator R-80, Tiempo de Soleá, und Ley de Gravedad.

Das Gypsy-Wort Bari ist schwer zu übersetzen, aber die Bedeutung ist relativ einfach. “Wenn sich alles im Leben einfach großartig anfühlt, hat man Bari.” Kurz nach der Bari-Zeit (2002-2005) gab die Band ihrem Plattenlabel einen neuen Namen: “Diquela”, was “sehen” bedeutet. “Es ist eine neue Ära,” sagt Xavi. “Mit Diquela versuchen wir einen Weg zu finden, wirklich frei zu sein. Das ist auch der Grund, warum unser neues Album Techarí heißt, was in der Sprache der Gypsy “frei” bedeutet.”

Die Arbeit an Techarí begann Ende März 2005 und war Ende Oktober abgeschlossen. Zwischenzeitlich absolvierte die Band zwei internationale Tourneen, was eine Unterbrechung der Aufnahmen bedeutete. “Die Touren haben unsere Konzentration auf das Album ein wenig gestört, aber das Ergebnis ist wundervoll”, erzählt Xavi. “Für mich ist es das erste Mal, dass ich mit einem Album wirklich absolut glücklich bin. Ich habe das Gefühl, dass wir jetzt an den Punkt kommen, an dem unser Sound wirklich so ist, wie wir ihn haben wollen.”

Der kreative Prozess blieb jedoch ein wenig planlos, was in der Natur eines Kollektivs liegt. “Wir wissen nie wirklich, was wir machen werden,” lacht Xavi. “Wir wollen alle einfach nur Musik machen und haben immer neue Ideen. Wir entscheiden dann alle zusammen, ob wir die Ideen umsetzen oder nicht. Das verlangsamt den Prozess ziemlich, aber im Ergebnis lohnt es sich. Heraus kommt eine Mischung aus all den Gefühlen, dem Wissen und der Weisheit von acht Menschen. Der einzige Nachteil ist, das diese Langsamkeit viel Zeit kostet, deshalb ist langsam sein gleichzeitig auch teuer. Wenn man wirklich kreativ ist, kann man damit nicht wirklich viel Geld verdienen.”

Gäste auf dem Album sind Faada Freddy vom senegalesischen Hip Hop-Kollektiv Daara J, Prithpal Rajput von Asian Dub Foundation und Nitin Sawhney. Der kubanische Pianist Roberto Carcassés und der angesehene Flamenco-Gitarrist Pepe Habichuela trugen ebenfalls zum neuen Album bei, genauso wie der Tres-Spieler und Flamenco-Gitarrist Raúl Rodríguez. Die Band betont, dass die Zusammenarbeit das Ergebnis von neuen Freundschaften und keine Label- oder Marketingstrategie ist. Bei Ojos de Brujo kommt einfach alles immer von Herzen.

Genauso wie Bari ist auch das neue Album gespickt mit fantastischen Eindrücken von zahlreichen jungen Künstlern. Die gestalterische Seite des Albums scheint der Band genauso wichtig zu sein wie die Musik. “Wir hatten immer eine Beziehung zu verschiedenen Formen der Kunst, vor allem zu Grafik”, betont Xavi. “Wenn wir Liveshows machen, versuchen wir immer, unsere Freunde und ihre Graffitis auf die Bühne zu bringen, während wir spielen. Dass sie Graffitis sprühen, während wir spielen, haben wir von Anfang an so gemacht, genauso wie das Tanzen. Ich hoffe wirklich, dass wir auch dieses Jahr Graffiti-Künstler und Tänzer überall dabei haben können.”

Die Gestaltung von Techari beinhaltet vierzehn Illustrationen von überall auf der Welt, um die individuelle Natur der vierzehn Tracks zu unterstreichen. Außerdem gibt es eine Sonderedition mit einem 60-seitigen Digibook, das drei Illustrationen von jedem Künstler enthält. “Unser größtes Problem ist, dass wir immer zuviel Geld ausgeben. Es ist ein Opfer für die Kunst, weil wir die Dinge so haben wollen, wie wir sie uns vorstellen. Niemand in der Band plant reich zu werden.”

“Wir laden immer neue Leute ein, kürzlich zum Beispiel Carlos Sardy, ein Trompeter und fiscornio-Spieler aus Kuba. Wir haben ihn letztes Jahr bei Aufnahmen in La Havana kennengelernt. Jetzt ist er nach Spanien gezogen und spielt regelmäßig mit uns. Das war schon immer so. Wenn man nicht alle, sondern nur ein paar von uns auf der Bühne sieht, ist es deswegen, weil uns jemand mit vorgehaltener Pistole dazu gezwungen hat!”

Text date: 2008-06-13  
Text: © Phil Meadley/Nuzzcom Music Office  
Photo credits: © Julia Montilla
Ident-Code: 1682/2026/1


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