Dissidenten
Tanger Sessions

Als langjährige “Verfolger” der Dissidenten-Karriere waren wir sehr gespannt auf das neue Album des fast schon aufgelöst geglaubten Trios. Die Dissidenten werden zu Recht zu den Gründervätern des Weltmusik-Genres überhaupt gezählt. Anfang der 80er Jahre, zu einer Zeit, in der die internationale Musikszene orientierungslos in einer Krise steckte und neue Wege suchte, reiften neue Stile heran. In England experimentierte Peter Gabriel vorwiegend mit afrikanischen Elementen. In Deutschland waren es die Dissidenten, die sich aus der Jazzrock-Band Embryo entwickelt hatten, die ihre eigene Weltmusik kreierten, ohne dass es den Begriff damals schon gegeben hätte.

Zusammen mit den Orient-Rockern “Jil Jilala” haben sie nun (endlich!!!) wieder ein Album aufgenommen. Die “Tanger Sessions” können mühelos an ihre früheren Glanztaten anknüpfen. Sowohl was die musikalischen Einfälle wie auch die Lebendigkeit der Musik betrifft, werden Erinnerungen an ihre frühen Jahre wach. Ihr Debut von 1981 “Germanistan” zeigte bereits, dass hier musikalische Revolutionäre am Werk waren. Marlon Klein, Friedo Josch und Uve Müllrich schwangen sich mit “Sahara Elektrik” (1983), dem Folgealbum, zu einem Höhenflug auf, der viele Jahre anhalten sollte und ihnen in Spanien, Italien, England und Amerika riesige Erfolge bescheren sollte. 1986 folgte mit “Life At The Pyramids” ein weiteres Spitzenalbum. Die “Tanger Sessions” knüpfen offensichtlich hier an und bringen den Sound der damaligen Zeit in modernerem Gewand und um einige Grade härter zurück. Die Dissidenten klingen heute, als hätten sie eine Frischzellenkur hinter sich.

25 Jahre nach “Sahara Elektrik” melden sich die Dissidenten lautstark zurück. Dem Herzen des Maghreb entstammen die “Tanger Sessions”. Nur ist dieses Album kein Aufwärmen alter Tage, sondern wirkt vielmehr wie ein zorniges Statement zur dazwischen liegenden Zeit. Was passt mehr zu unserer heutigen weltpolitischen Situation, als harter E-Gitarren-Sound und aggessives Schlagzeug? Multikulti am Ende? Nein, gerade die Dissidenten und Jil Jilala beweisen doch, dass ein respektvolles Mit- und Nebeneinander möglich ist. Doch, es wäre kein Album der Dissidenten, würde hier Multikulti-Kitsch aufgetischt.

Die “Tanger Sessions” sind ein grandioses Album mit zahlreichen Ohrwürmern, das es zweifellos verdient hat, unsere CD des Monats November 2008 zu werden. Angesichts dieser exzellenten CD wünscht man sich, dass die Dissidenten in den nächsten Jahren wieder ein wenig mehr von sich hören lassen.

Tracks:
1. Akaaboune’s Homage (Klein/Josch/Müllrich) 7’27”
This is the world – not your country
2. Morock’n Roll (Klein/Josch/Müllrich/Asbihani/Kasbaji) 5’26”
God gave you something better than magic – brain
3. Gun Factory (Klein/Josch/Müllrich/Asbihani/Kasbaji) 6’50”
Heart you missed it – time is a wolf – that’s why there are wars
4. Fata Morgana “Tangier Version” (Klein/Josch/Müllrich/Lamrani) 9’31”
The eagle sits in the cage – while the chicken are watching TV
5. Song 4 A Rainbow (Klein/Josch/Müllrich/Lamrani) 7’19”
Make wars history
6. Truth Is The Only Religion (Klein/Josch/Müllrich/Asbihani/Kasbaji) 8’15”
Nothing ever changes – except gods and fashions
7. The World Is A Mirror (Klein/Josch/Müllrich/Lamrani) 7’25”
Show yourself in it – and it will reflect your image
8. Morock’n’Roll Part II “Kasbah Version” 3’12” (Klein/Josch/Müllrich/Asbihani/Kasbaji)
Who can’t dance complains: “The floor is uneven!”

Orientierungshilfe

Tanger Sessions

Als langjährige “Verfolger” der Dissidenten-Karriere waren wir sehr gespannt auf das neue Album des fast schon aufgelöst geglaubten Trios. Die Dissidenten werden zu Recht zu den Gründervätern des Weltmusik-Genres überhaupt gezählt. Anfang der 80er Jahre, zu einer Zeit, in der die internationale Musikszene orientierungslos in einer Krise steckte und neue Wege suchte, reiften neue Stile heran. In England experimentierte Peter Gabriel vorwiegend mit afrikanischen Elementen. In Deutschland waren es die Dissidenten, die sich aus der Jazzrock-Band Embryo entwickelt hatten, die ihre eigene Weltmusik kreierten, ohne dass es den Begriff damals schon gegeben hätte.

Zusammen mit den Orient-Rockern “Jil Jilala” haben sie nun (endlich!!!) wieder ein Album aufgenommen. Die “Tanger Sessions” können mühelos an ihre früheren Glanztaten anknüpfen. Sowohl was die musikalischen Einfälle wie auch die Lebendigkeit der Musik betrifft, werden Erinnerungen an ihre frühen Jahre wach. Ihr Debut von 1981 “Germanistan” zeigte bereits, dass hier musikalische Revolutionäre am Werk waren. Marlon Klein, Friedo Josch und Uve Müllrich schwangen sich mit “Sahara Elektrik” (1983), dem Folgealbum, zu einem Höhenflug auf, der viele Jahre anhalten sollte und ihnen in Spanien, Italien, England und Amerika riesige Erfolge bescheren sollte. 1986 folgte mit “Life At The Pyramids” ein weiteres Spitzenalbum. Die “Tanger Sessions” knüpfen offensichtlich hier an und bringen den Sound der damaligen Zeit in modernerem Gewand und um einige Grade härter zurück. Die Dissidenten klingen heute, als hätten sie eine Frischzellenkur hinter sich.

25 Jahre nach “Sahara Elektrik” melden sich die Dissidenten lautstark zurück. Dem Herzen des Maghreb entstammen die “Tanger Sessions”. Nur ist dieses Album kein Aufwärmen alter Tage, sondern wirkt vielmehr wie ein zorniges Statement zur dazwischen liegenden Zeit. Was passt mehr zu unserer heutigen weltpolitischen Situation, als harter E-Gitarren-Sound und aggessives Schlagzeug? Multikulti am Ende? Nein, gerade die Dissidenten und Jil Jilala beweisen doch, dass ein respektvolles Mit- und Nebeneinander möglich ist. Doch, es wäre kein Album der Dissidenten, würde hier Multikulti-Kitsch aufgetischt.

Die “Tanger Sessions” sind ein grandioses Album mit zahlreichen Ohrwürmern, das es zweifellos verdient hat, unsere CD des Monats November 2008 zu werden. Angesichts dieser exzellenten CD wünscht man sich, dass die Dissidenten in den nächsten Jahren wieder ein wenig mehr von sich hören lassen.

Tracks:
1. Akaaboune’s Homage (Klein/Josch/Müllrich) 7’27”
This is the world – not your country
2. Morock’n Roll (Klein/Josch/Müllrich/Asbihani/Kasbaji) 5’26”
God gave you something better than magic – brain
3. Gun Factory (Klein/Josch/Müllrich/Asbihani/Kasbaji) 6’50”
Heart you missed it – time is a wolf – that’s why there are wars
4. Fata Morgana “Tangier Version” (Klein/Josch/Müllrich/Lamrani) 9’31”
The eagle sits in the cage – while the chicken are watching TV
5. Song 4 A Rainbow (Klein/Josch/Müllrich/Lamrani) 7’19”
Make wars history
6. Truth Is The Only Religion (Klein/Josch/Müllrich/Asbihani/Kasbaji) 8’15”
Nothing ever changes – except gods and fashions
7. The World Is A Mirror (Klein/Josch/Müllrich/Lamrani) 7’25”
Show yourself in it – and it will reflect your image
8. Morock’n’Roll Part II “Kasbah Version” 3’12” (Klein/Josch/Müllrich/Asbihani/Kasbaji)
Who can’t dance complains: “The floor is uneven!”

Textdatum: 2008-11-01  
Textrechte:
© Global Music Magazine  
Vertrieb: Indigo Musikproduktion + Vertrieb
Tracks: 8
Format: CD
Ident-Code: 1997/2045/1


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