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Björk: Wie von einem fremden Planeten
Die am 21. November 1965 in ReykjavÃk, Island, geborene Björk Guðmundsdóttir ist eine der schillerndsten Figuren der Musikwelt, doch gleichzeitig eine ernst zu nehmende Künstlerin. Sie ist nicht nur Musikerin, sondern versucht sich auch als Schaulspielerin. Wir begnügen uns mit einer Darstellung der Musikerin Björk, konzentrieren uns auf ihre Alben und lassen das Filmgenre und ihre sonstigen, durchaus interessanten Aktivitäten beiseite.
Björk besitzt ein großes Interesse an den verschiedensten Arten von Musik. Von Popmusik und elektronischer Musik über Punk, Trip-Hop und Alternativ-Rock bis hin zu Jazz, Folk-Musik und klassischer Musik reicht ihr Interesse.
Ihre Eltern ließen sie bereits mit fünf Jahren die Musikschule in ReykjavÃk besuchen, wo sie Flöte, Gesang und Klavier erlernte. Erst 11 Jahre alt, wurde eine Plattenfirma erstmals auf sie aufmerksam. 1977 veröffentlichte sie mit Hilfe ihres Stiefvaters ihr erstes Album mit Kinderliedern, das in Island recht erfolgreich war.
Schon ein Jahr später gründete sie die Mädchen-Punk-Band “Spit and Snot”, ein Jahr darauf folgte die Band “Exodus”, wo sie Jazz-Rock-Crossover spielte. 1981 gründete sie mit ehemaligen Exodus-Mitgliedern “Tappi TÃkarrass” und veröffentlichte 1983 das Album “Miranda”. Ihren für die damalige Zeit typischen und für einige Zeit beibehaltenen düsteren Punk-Anarcho-Stil entwickelte sie in der folgenden Band “KUKL”, mit der sie zwei Platten aufnahm und aus der sich wenige Jahre später allmählich ihre bekannteste Band, die “Sugarcubes” entwickelte.
Die “Sugarcubes” waren bereits mit der ersten Single so erfolgreich, dass Angebote von Plattenfirmen nicht lange auf sich warten ließen. Zu dieser Zeit hatte Björk bereits ihren typischen Gesangsstil entwickelt. 1988 kam das erste Album der Sugarcubes “Life’s Too Good” heraus und die Band wurde, als erste isländische Band überhaupt, international bekannt.
Nebenbei betrieb Björk verschiedenste Projekte u.a. mit Current 93, 808 State oder dem Trio Guðmundar Ingólfssonar (House, Ambiente, Jazz). 1992 lösten sich die “Sugarcubes” auf und Björk startete ihre Solokarriere.
Gleich im darauf folgenden Jahr veröffentlichte sie ihr Debütalbum “Debut”. Es war sehr erfolgreich und erlangte u.a. Platinstatus in den USA. Seitdem ging es mit ihrer Karriere stetig aufwärts. Die Musik auf “Debut” zeigt sie von sehr verschiedenen Seiten, doch ihr Stil ist bereits deutlich erkennbar. Musikalisch bewegt sie sich zwischen Dancefloor-Nummern (”Violently Happy”) und Alternativepop hin und her. Stets schräg und etwas abgefahren, aber mit großer intensiver Ausdruckskraft. Die CD entstand in Kooperation mit Nellee Hooper.
1995 folgte das Album “Post”. In Zusammenarbeit mit Nellee Hooper, Tricky, Graham Massey und Howie B veröffentlichte sie damit eines ihrer besten Alben. Der gewaltige Erfolg des Albums gab ihr in ihrem Streben nach neuen musikalischen Wegen Recht. Wie auf “Debut” finden sich auch hier alte und neue Lieder aus ihrer Feder. Sie zeigt sich auf “Post” stilistisch äußerst wandlungsfähig. Neben einer Jazz-Swing-Nummer (”It’s oh so quiet”) finden sich harte Technobeats (”Army of me”), experimentelle Rhythmusloops neben sphärischen Klängen. Von Post wurde ein Jahr darauf das Remix-Album “Telegram” veröffentlicht, das abermals von ihrer Experimentierfreude zeugte.
In einem abgeschiedenen Haus in Spanien entstand 1997 “Homogenic”. Wie gewohnt hatte sie auch hier wieder Gastmusiker und Gastproduzenten eingeladen, daran mitzuwirken. Den kreativen Input ihrer Gäste ließ sie in ihre Musik einfließen, aber dennoch blieb es ihre Musik. Das Ergebnis ging in punkto Experiment über die beiden Vorgänger hinaus. Sie arbeitete hier u.a. mit einem isländischen Streichquartett (mit dem sie auf der Tour ging) zusammen, aber auch wieder mit Mark Bell (der sie auch auf der “Homogenic”-Tour begleitete), Eumir Deodato und Howie B.
Schon zu diesem Zeitpunkt ihrer Karriere wurde deutlich, dass Björk eine herausragende Musikerin ist. Wie eine Künstlerin, die ihren Stil sucht, sucht sie Album für Album nach Möglichkeiten, sich in der Musik neu auszudrücken. Sie geht neue unkonventionelle Wege und kümmert sich (fast) nicht um den Kommerz.
Folgreichtig brachte sie 2001 das Album “Vespertine” auf den Markt, das etwas introvertierter erscheint. Doch auch hier kamen wieder verschiedenste Elemente zusammen, die die Musik zu einem Hörerlebnis werden lassen, wie Polyrhythmik, Inuit-Chöre, Harfenklänge und die experimentellen Beiträge von Matmos, Oval oder Thomas Knak aus Dänemark. Selbst ein Kammerorchester wurde hinzugezogen.
Noch reduzierter als “Vespertine” wurde 2004 das Album “Medúlla”. Ihr Ziel war es, das Wesentliche ihrer Musik herauszuarbeiten und so entfernte sie nach und nach alle Instrumente aus den Aufnahmen und verwendete ausschließlich menschliche Laute. Zu hören sind auf “Medúlla” neben Björk, die Stimmen von Beatboxer Rahzel, Mike Patton und Robert Wyatt.
Ihr vorerst letztes Album, “Volta”, ist wiederum ganz anderes geartet. Es steckt voller Energie und Optimismus. Eingeladen hat sie diesmal sowohl alte Bekannte, wie Mark Bell, als auch sehr unerwartete Gäste. Zu nennen wären unter anderem Anthony Hegarty, Timbaland, Toumani Diabate und Konono N°1. Bei diesem Album wählte sie eine neue Herangehensweise. Statt bisher auf einem, meist elektronischen Rhythmus ihre Lieder aufzubauen, ließ sie die Rhythmen anfangs weg und fügte sie erst hinzu, als das Album fertig war. So verwundert es nicht, dass sie diesmal zwei Schlagzeuger (Chris Corsano und Brian Chippendale) einsetzt. “Volta” ist abermals ein exotisches, sehr extrovertiertes, zugleich aber hervorragendes Album.
Zuletzt noch eine gute Nachricht: Björk kommt nach Deutschland!
Und zwar spielt sie am Sonntag, 20. Juli 2008, auf dem kleinen Festival Melt!’08 in Gräfenhainiche, Sachsen-Anhalt, (www.meltfestival.de)
Diskographie (Auswahl):
Debut – 1993
Post – 1995
Telegram – 1996
Homogenic – 1997
Selmasongs – 2000 (Soundtrack zum Film “Dancer in the dark”)
Vespertine – 2001
Medúlla – 2004
The Music from Drawing Restraint 9 – 2005 (Soundtrack zum Film “Drawing Restraint 9″)
Army Of Me – 2005 (Remixalbum, Erlös an UNICEF)
Volta – 2007

